Ein Baumgürtel rund um die Taklamakan-Wüste

Manchmal passieren Dinge, bei denen man kurz denkt: Warte… das haben die jetzt wirklich gemacht? Genau so ein Moment ist das hier. China hat offiziell verkündet, dass ein rund 1.800 Meilen langer Grüngürtel rund um die Taklamakan-Wüste fertiggestellt wurde – ein Projekt, das so alt ist, dass manche der ersten Setzlinge inzwischen selbst schon in Rente gehen könnten.

Ein halbes Jahrhundert gegen die Wüste

46 Jahre lang wurde an dieser grünen Linie gearbeitet. Und das war kein Spaziergang. Immerhin reden wir hier von der Taklamakan-Wüste – einem Ort, an dem Pflanzen normalerweise nicht leben, sondern nur überleben. Falsche Baumarten? Passiert. Zu wenig Wasser? Dauerproblem. Käfer, die das Ganze wieder auffressen? Auch das.

Kurz gesagt: Alles, was schiefgehen konnte, ging irgendwann auch schief. Und trotzdem steht er heute da: ein geschlossener Ring von Bäumen, der eine der lebensfeindlichsten Wüsten der Erde einhegt.

China Taklamakan
Sand- und Staubstürme fördern die Ausbreitung der Taklamakan-Wüste.

Warum das Ganze? Ein Blick auf die Realität vor Ort

Die Taklamakan-Wüste liegt im Norden und Westen Chinas, einer Region, in der Sand- und Staubstürme nicht selten, sondern lästig-normal sind. Diese Stürme ruinieren Böden, legen ganze Regionen lahm und sorgen dafür, dass die Luftqualität in vielen Orten eher nach Föhn auf höchster Stufe als nach „frische Brise“ klingt.

China wollte das ändern – nicht nur aus Umweltschutzgründen, sondern auch, um die Landwirtschaft nicht der Wüste zu opfern.
Also startete man 1978 unter Deng Xiaoping ein Projekt, das heute liebevoll (und ein bisschen pathetisch) „Grüne Chinesische Mauer“ genannt wird.

Mehr als 30 Millionen Hektar wurden seitdem aufgeforstet. Das ist so viel Land, dass man es eher in Flugstunden als in Metern messen möchte.

Was auf diesem Weg alles schiefging

Das Projekt war ein Labor unter freiem Himmel. China musste erst herausfinden, welche Baumarten in der Taklamakan-Wüste überhaupt eine Chance haben. Einige starben sofort weg, andere litten jahrelang vor sich hin.
Dazu kamen Schädlingswellen, ständige Neupflanzungen und ein Bewässerungsmanagement, das mehr Stress verursacht hat als eine Steuererklärung.

Und trotzdem: Durchhalten hat sich gelohnt. Heute ist die Waldfläche Chinas auf rund 25 Prozent gestiegen – und der Gürtel um die Taklamakan-Wüste ist ein sichtbares Zeichen dafür.

„Wir können das noch besser“ – die nächste Phase beginnt

Zhu Lidong, Forstbeamter aus Xinjiang, sagte bei einer Pressekonferenz in Peking sinngemäß:
„Leute, wir hören nicht auf. Wir haben gerade erst herausgefunden, wie man Baumarten so miteinander kombiniert, dass sie in diesem verrückten Klima überhaupt eine Chance haben.“

Für die nächste Phase wünscht er sich mehr Obstbäume – nicht nur fürs Klima, sondern auch für die Menschen: Wenn Bäume Obst tragen, trägt die Natur gleichzeitig zur lokalen Wirtschaft bei. Nachhaltige Ökologie plus nachhaltiges Einkommen – eigentlich ein schöner Gedanke.

Taklamakan
In der Taklamakan-Wüste herrschen lebensfeindliche Bedingungen.

Was der Baumgürtel schon jetzt verändert

Es tut sich etwas, und zwar nicht nur optisch:

  • Böden werden stabiler, weniger Sand weht durch die Gegend.

  • Die Gegend rund um die Taklamakan-Wüste bekommt ein etwas freundlicheres Mikroklima.

  • Wasser bleibt länger im Boden.

  • Landwirte berichten von höheren Erträgen.

  • Tiere und Pflanzen finden neue Lebensräume.

Nicht perfekt. Aber eben ein echter Unterschied.

Und die Menschen? Profitieren die auch?

Kurz gesagt: ja.

  • bessere Luftqualität

  • mehr Jobs in Forstwirtschaft, Technik, Pflege der Anlagen

  • sichere Ernten statt Staubschichten

  • langfristige wirtschaftliche Perspektiven

Viele Menschen in der Region leben ohnehin in einer ziemlich härteren Umgebung – der Grüngürtel schafft zumindest ein bisschen mehr Stabilität.

China ist nicht allein – die Welt pflanzt zurück

Die Idee, Wüsten zu bremsen, ist global. Hier einige der spannendsten Projekte:

Great Green Wall (Sahelzone)
11 afrikanische Länder, ein 8.000 Kilometer langer Baumgürtel. Ziel: Die Sahara stoppen.

Indien – Green India Mission
Ziel: 33 % Waldfläche. 10 Millionen Hektar Aufforstung sind dafür geplant.

Äthiopien – Green Legacy
2019: 4,7 Milliarden Bäume in einem Jahr. Bis 2030: 20 Milliarden.

Australien – Million Trees Program
Mehr Grün in Städten und Regionen, die durch Bergbau und Brände gelitten haben.

China – weitere Wüstenprojekte
Neben der Taklamakan-Wüste werden auch andere trockene Regionen begrünt, um Klima, Wasserhaushalt und Ackerflächen zu stabilisieren.

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