Nach vielen Jahren der Abwesenheit ist sie wieder da: eine der faszinierendsten Katzen Europas: der Iberische Luchs. Ein echtes Naturwunder, das jetzt wieder durch die Wälder schleicht. Diese Rückkehr zeigt eines ganz klar: Wenn Menschen sich wirklich anstrengen, können selbst scheinbar ausweglose Situationen eine positive Wendung nehmen.
Iberischer Luchs: Rettung in letzter Minute
Noch vor gar nicht allzu langer Zeit standen die Zeichen denkbar schlecht. Nur ca. 100-120 Tiere lebten noch in freier Wildbahn. Ihr Lebensraum verschwand, die Kaninchen, ihr Hauptgericht, wurden rar, zusätzlich wurden die Luchse gejagt. Viele hätten längst aufgegeben, doch Wissenschaftler, Naturschützer und Behörden haben nicht locker gelassen. Mit viel Geduld und gezielten Schutzprogrammen starteten sie eine Rettungsmission.
Ein wesentlicher Bestandteil war die gezielte Aufzucht und Auswilderung von Luchsen. In eigens eingerichteten Zuchtstationen wurden junge Iberische Luchse auf ihr Leben in der Wildnis vorbereitet.
Gleichzeitig wurden die Populationen wilder Kaninchen gefördert, um den Luchsen eine stabile Nahrungsbasis zu bieten. Dazu kommen LIFE-Projekte der EU, Habitatkorridore und Schutzgebiete, die Revierfragmentierung verhindern. Straßenquerungen werden gesichert, der Einfluss des Menschen minimiert.
Die intensive Arbeit trägt nun Früchte: Heute leben wieder deutlich mehr Iberische Luchse in Spanien und Portugal. Immer mehr Jungtiere werden in freier Wildbahn geboren.

Luchse in Deutschland und Europa
Auch bei uns in Deutschland und anderswo in Europa gibt es Grund zur Freude: Der Eurasische Luchs, ein enger Verwandter des Iberischen Luchses, ist zurück. Jahrzehntelang waren die Tiere hier fast verschwunden.
Heute gibt es dank gezielter Wiederansiedlungsprojekte und strengem Schutz wieder stabile Bestände im Harz, im Bayerischen Wald und im Pfälzer Wald. In der Schweiz, in Tschechien und Slowenien gibt es ebenfalls wachsende Populationen, die zeigen, dass Luchse wieder ein fester Bestandteil unserer Wälder werden können.
Die Ausbreitung der Luchse stößt allerdings auch auf Herausforderungen, wie etwa den zunehmenden Verlust von Lebensräumen und den Straßenverkehr. Der Schutz dieser Tiere bleibt daher eine fortwährende Aufgabe.
Aktuelle Bestandszahlen (Stand 2024)
Hier ein Überblick, wie viele Populationen es vom Eurasischen und Iberischen Luchs ungefähr gibt.
| Luchsart | Land / Region | Bestand (ca.) | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| Iberischer Luchs | Spanien & Portugal | 2400 | erfolgreiche Zucht- und Auswilderungsprogramme, Population stetig steigend |
| Eurasischer Luchs | Deutschland (Harz) | 50–60 | Wiederansiedlung, Teilpopulation stabil |
| Eurasischer Luchs | Deutschland (Bayerischer Wald) | 50–60 | Monitoring und Schutzmaßnahmen |
| Eurasischer Luchs | Deutschland (Pfälzer Wald) | 50–60 | kleine, aber wachsende Population |
| Eurasischer Luchs | weitere europäische Länder | 90–100 | Schweiz, Tschechien, Slowenien; stabile, aber geringe Bestände |
Iberischer Luchs: Verhalten und Eigenschaften
- Luchs Größe & Gewicht: Länge: 85 bis 110 cm, Höhe 45 bis 50 cm, Gewicht: 9 bis 15 kg
- Lebenserwartung: 10 bis 14 Jahre
- Aussehen: Die Pinsel an den Ohren und der kurze, stämmige Schwanz machen den Luchs unverwechselbar.
- Territorium: Einzelgänger mit klaren Reviergrenzen, die mit Duftmarken und Kratzspuren markiert werden.
- Jagdverhalten: Meister im Anschleichen. Kaninchen stehen ganz oben auf der Speisekarte, daneben kleine Säuger und gelegentlich Jungvögel.
- Aktivitätsmuster: hauptsächlich dämmerungs- und nachtaktiv, tagsüber versteckt in dichter Vegetation
- Fortpflanzung: Paarung im Winter, Jungtiere werden im Frühjahr geboren, meist 2 bis 3 Nachkommen. Die Aufzucht erfordert Ruhe und geschützte Reviere.
- Soziales Verhalten: Meist Einzelgänger, aber es gibt Mutter-Kind-Bindungen und gelegentliche Begegnungen an Reviergrenzen.
Lebensraumverlust als größtes Risiko
Der Lebensraumverlust ist für Iberische Luchse die größte Bedrohung: Straßen, Siedlungen und Landwirtschaft zerschneiden die Wälder wie ein riesiges Puzzle, in dem immer mehr Teile fehlen. Und dann ist da noch der Straßenverkehr: Leider enden viele neugierige Luchse bei der Suche nach neuen Revieren auf dem Asphalt statt im Schatten eines Baumes.
Ohne genügend Kaninchen, die Hauptnahrung, hat der Luchs schlichtweg nichts zu fressen. Krankheiten wie Myxomatose (Kaninchenpest) oder die Kaninchen-RHD können ganze Populationen plötzlich bedrohen.
Dazu kommt das Problem der Inzucht. Kleine Populationen leiden genetisch, Jungtiere haben weniger Chancen zu überleben, und Krankheiten setzen schneller ein.
Und dann ist da noch der Mensch, der mit illegaler Jagd oder gedankenloser Störung der Lebensräume alles zunichte machen könnte, wofür die Naturschützer seit Jahren kämpfen.
Das alles zeigt: Schutzprogramme sind kein Luxus, sondern absolute Überlebensnotwendigkeit. Ohne sie gäbe es den Iberischen Luchs wohl längst nicht mehr.

Iberischer Luchs: Ein Blick in die Zukunft
Die Geschichte des Iberischen Luchses macht Mut und gibt Anlass zur Hoffnung. Der Schutz dieser einzigartigen Tiere und ihrer Lebensräume erfordert allerdings kontinuierliches Engagement durch Naturschutzvereine (z. B. WWF) sowie die Zusammenarbeit aller Beteiligten.
Die Rückkehr des Luchses zeigt: Es ist nie zu spät, das Ruder herumzureißen. Es braucht dafür aber dauerhaft geschützte Lebensräume, stabile Nahrungsquellen und kontinuierliche Monitoringprojekte.