Australische Wissenschaftler fanden in einer Studie heraus, dass die Larven des Großen Schwarzkäfers Kunststoffe zum Fressen gern haben. Ist das für uns etwa die Chance, endlich das globale Plastikproblem in den Griff zu bekommen?
Warum Styropor ein Umweltproblem ist
Polystyrol gehört zu den Kunststoffen, die besonders schwer zu recyceln sind. Das Material besteht zu rund 98 Prozent aus Luft, weshalb Transport und Wiederverwertung wirtschaftlich oft unattraktiv bleiben. Verschmutzte Styroporverpackungen landen deshalb häufig in Müllverbrennungsanlagen oder auf Deponien.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Styropor zerfällt über Jahrzehnte hinweg in kleinere Partikel und trägt dadurch zur weltweiten Mikroplastikbelastung bei. Vor allem Verpackungsmaterial aus dem Onlinehandel, Einwegbehälter und Dämmstoffe sorgen jedes Jahr für enorme Mengen an Polystyrolabfällen.
Genau deshalb beobachten Forscher die Superwürmer derzeit so aufmerksam. Die Larven könnten langfristig helfen, neue biologische Recyclingverfahren für schwer verwertbare Kunststoffe zu entwickeln.
Was sind Superwürmer (Zophobas morio)?
Woher kommt der Schwarzkäfer überhaupt?
Ursprünglich stammt der Große Schwarzkäfer aus Mittel- und Südamerika. Dort werden die Käferlarven als Tierfutter verwendet, dank der Studie haben sie nun zusätzlich das Image als potenzielle Mini-Recyclinganlage erhalten.
Plastikmüll ade? Das kann der Superwurm tatsächlich
Sind Superwürmer jetzt die neuen Hoffnungsträger im Kampf gegen Plastikmüll? Eine neue Studie der australischen University of Queensland lässt darauf schließen.
Australische Wissenschaftler haben in der Studie herausgefunden, dass die Larven des Großen Schwarzkäfers (Zophobas morio) in ihrem Darm spezielle Mikroben enthalten, die Styropor verdauen können. Diese Mikroben produzieren spezielle Verdauungsenzyme, die Polystyrol aber nicht nur verdauen, sondern sie dadurch auch an Gewicht zunehmen lassen, könnten also rein theoretisch ausschließlich von diesen Stoffen leben.
Die Studie unter der Leitung von Chris Rinke hat dazu 171 Larven des Großen Schwarzkäfers untersucht, die eine beachtliche Länge von bis zu 6 cm aufwiesen.
Eingeteilt wurden die Käferlarven zunächst in 3 Gruppen, eine davon erhielt ausschließlich Polystyrol, die zweite Gruppe Weizenkleie und die dritte bekam gar kein Futter.
Ergebnisse der Studie
- Die Styroporgruppe fraß munter los und nahm nachweisbar an Gewicht zu, obwohl in diesem Kunststoff vermeintlich gar keine Nährstoffe enthalten sind.
- Die Käferlarven der zweiten Gruppe nahmen die vierfache Masse zu, die dritte Gruppe ohne Nahrung nahm erwartungsgemäß an Gewicht ab, weil sie gar nichts zu fressen bekamen.
- Daraus lässt sich schlussfolgern, dass Styropor sicher nicht das beste Futter für die Käferlarven ist, es aber immer noch besser ist, als zu verhungern.
- Als einzige Nahrungsquelle zugeführt, würden die Larven also durchaus damit satt werden und sich dank der Energiegewinnung bis zum Käfer weiterentwickeln können.

Welche Kunststoffe Superwürmer wirklich abbauen können
Die Forschung rund um Superwürmer sorgt regelmäßig für Schlagzeilen. Dabei entsteht schnell der Eindruck, die Larven könnten beliebige Kunststoffabfälle beseitigen. Ganz so weit ist die Wissenschaft allerdings noch nicht.
Bislang untersuchten Forscher vor allem Polystyrol, also den Kunststoff, aus dem Styropor hergestellt wird. Ob Superwürmer andere Kunststoffe wie PET, PVC oder Polyethylen ähnlich effizient abbauen können, bleibt bislang offen.
Hinzu kommt: Die Larven „vernichten“ den Kunststoff nicht vollständig. Im Darm wird das Material zunächst mechanisch zerkleinert und anschließend mithilfe spezieller Enzyme und Darmbakterien teilweise abgebaut. Wie viele Rückstände dabei entstehen und ob Mikroplastik zurückbleibt, untersuchen Wissenschaftler aktuell noch genauer.
Welche Tiere und Mikroben ebenfalls Plastik abbauen können
Superwürmer stehen mit ihren Fähigkeiten nicht allein da. In den vergangenen Jahren entdeckten Forscher mehrere Organismen, die bestimmte Kunststoffe abbauen oder zumindest teilweise zersetzen können.
- Besonders bekannt sind Mehlwürmer. Bereits frühere Studien zeigten, dass auch sie Polystyrol verdauen können. Allerdings sind sie deutlich kleiner als Superwürmer und verarbeiten geringere Mengen.
- Zusätzlich rückten Wachsmottenlarven in den Fokus der Forschung. Die Tiere können Polyethylen angreifen, also einen Kunststoff, der häufig in Plastiktüten vorkommt. Wissenschaftler vermuten, dass bestimmte Enzyme in ihrem Speichel dafür verantwortlich sind.
- Auch Bakterien und Pilze gelten inzwischen als vielversprechend. Aufmerksamkeit erhielt vor allem das Bakterium Ideonella sakaiensis. Es produziert Enzyme, die PET-Kunststoffe abbauen können, etwa aus Getränkeflaschen oder Verpackungen.
Die Forschung verfolgt deshalb zunehmend einen anderen Ansatz: Nicht die Tiere selbst sollen künftig Plastikmüll beseitigen, sondern ihre Enzyme und Mikroorganismen. Ziel ist es, biologische Recyclingverfahren zu entwickeln, die Kunststoffe schneller und energieeffizienter abbauen als heutige Methoden.

Darmbakterien der Superwürmer in großen Mengen züchten
Superwürmer selber züchten?
Wenn du sie zur Fütterung deiner Haustiere (z. B. Reptilien, Amphibien) verwenden willst, kannst du die Larven des Großen Schwarzkäfers zu Hause züchten. Um damit deinen Styroporabfall loszuwerden, eignen sie sich aber nicht, da sie nur sehr kleine Mengen verarbeiten können und Kunststoff für die Tiere zudem nicht gesund ist.
FAQ zu Superwürmern und Plastikabbau
Quellen:
Sun, J., Prabhu, A., Aroney, S. T. N. & Rinke, C. (2022). Insights into plastic biodegradation: community composition and functional capabilities of the superworm (Zophobas morio) microbiome in styrofoam feeding trials. Microbial Genomics, 8(6). https://doi.org/10.1099/mgen.0.000842
Superworms capable of munching through plastic waste. (o. D.). UQ News. https://www.uq.edu.au/news/node/132131

