Der Strompreis hat sich in Deutschland innerhalb weniger Jahre deutlich verteuert. Wer Strom selber erzeugen kann, senkt nicht nur seine laufenden Kosten, sondern gewinnt ein Stück Unabhängigkeit vom Energiemarkt.
Ob Photovoltaikanlage auf dem Dach, Balkonkraftwerk für die Wohnung oder Stromspeicher für einen höheren Eigenverbrauch: Heute gibt es mehrere Möglichkeiten, einen großen Teil des eigenen Strombedarfs selbst zu decken.
Strom selber erzeugen: Warum es heute mehr denn je lohnt
Du möchtest Strom selber erzeugen? Das lohnt sich nicht nur, um Co2-Emmisionen zu senken.
Mehr Kontrolle über die eigene Stromrechnung
Mit einer eigenen Stromquelle reduzierst du deine Abhängigkeit von Preisentwicklungen auf dem Energiemarkt. Besonders Haushalte mit hohem Stromverbrauch profitieren von einer Photovoltaikanlage oder einem leistungsfähigen Balkonkraftwerk.
Typische Verbraucher mit hohem Einsparpotenzial sind:
- Wärmepumpen
- Elektroautos
- Klimaanlagen
- elektrische Warmwasserbereitung
- Homeoffice-Arbeitsplätze
- Familienhaushalte mit mehreren Personen
Je höher der eigene Stromverbrauch ausfällt, desto größer wird der finanzielle Nutzen einer eigenen Anlage.
Strom selber erzeugen: Mehr Unabhängigkeit vom Stromnetz
Vollständige Energieautarkie bleibt für die meisten Haushalte schwierig. Dennoch lässt sich der Strombezug aus dem öffentlichen Netz deutlich reduzieren.
Eine moderne Solaranlage ohne Speicher deckt häufig rund 30 Prozent des jährlichen Strombedarfs. Mit einem Batteriespeicher steigt dieser Anteil oft auf 60 bis 80 Prozent. Dadurch verbrauchst du einen deutlich größeren Teil deines selbst erzeugten Stroms direkt im eigenen Haushalt.
Das Ergebnis:
- geringere Stromkosten
- weniger Abhängigkeit von Energieversorgern
- höhere Versorgungssicherheit
- bessere Planbarkeit der Energiekosten
Die Technik ist einfacher und günstiger geworden
Photovoltaikmodule arbeiten heute deutlich effizienter als frühere Generationen. Gleichzeitig sind Balkonkraftwerke und kleinere Solaranlagen für Privatpersonen leichter zugänglich geworden.
Für viele Haushalte beginnt der Einstieg bereits mit einem Balkonkraftwerk für wenige Hundert Euro. Hausbesitzer können dagegen mit einer Dachanlage einen Großteil ihres jährlichen Strombedarfs selbst decken.
Deshalb stellt sich heute oft nicht mehr die Frage, ob man Strom selbst erzeugen sollte, sondern welche Lösung am besten zur eigenen Wohnsituation passt.
Mit Solar Strom selber erzeugen: 3 Möglichkeiten im Überblick
| Lösung | Anschaffungskosten | Typischer Jahresertrag | Eigenverbrauch | Jährliche Ersparnis* | Amortisationszeit |
|---|---|---|---|---|---|
| Balkonkraftwerk (800 W) | ca. 700 € | ca. 700 kWh | nahezu 100 % | ca. 245 € | ca. 3 Jahre |
| Photovoltaikanlage (10 kWp) | ca. 15.000 € | ca. 10.000 kWh | ca. 70 % | ca. 2.680 € | ca. 6–8 Jahre |
| Photovoltaikanlage mit Speicher | ca. 22.000 € | ca. 10.000 kWh | ca. 80 % | ca. 3.000–3.500 € | ca. 7–10 Jahre |
*Berechnet mit einem Strompreis von etwa 35 Cent pro kWh. Die tatsächliche Ersparnis hängt von Standort, Stromverbrauch und Anlagenleistung ab.
Wer in einer Mietwohnung lebt, fährt mit einem Balkonkraftwerk meist am besten. Hausbesitzer erzielen die größte Ersparnis mit einer Photovoltaikanlage. Ein Batteriespeicher erhöht die Unabhängigkeit vom Stromnetz zusätzlich, verursacht aber höhere Investitionskosten. Welche Variante wirtschaftlich ist, hängt vor allem vom eigenen Stromverbrauch ab.
1. Mini-PV für Balkon und Garten
Ein Balkonkraftwerk besteht aus ein bis vier Solarmodulen und einem Wechselrichter. Der erzeugte Strom wird direkt über eine Steckdose in den Haushaltsstromkreis eingespeist.
Diese Lösung eignet sich besonders für:
- Mietwohnungen
- Eigentumswohnungen
- kleine Haushalte
- Menschen mit begrenztem Budget
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Geringe Anschaffungskosten | Deutlich geringere Leistung als eine Dachanlage |
| Einfache Installation | Stromerzeugung abhängig von Sonnenstunden |
| Ideal für Mietwohnungen | Kein vollständiger Ersatz des Netzstroms |
| Schnelle Amortisation | Begrenzte Erweiterungsmöglichkeiten |
| Keine Dachfläche erforderlich |
Die Installation gelingt oft innerhalb weniger Stunden. Viele Anlagen erzeugen jährlich mehrere Hundert Kilowattstunden Strom und decken einen Teil der Grundlast von Kühlschrank, Router oder Unterhaltungselektronik.

2. Photovoltaikanlage für Hausbesitzer
Die klassische Photovoltaikanlage ist für Hausbesitzer die interessanteste Lösung. Solarmodule wandeln Sonnenlicht direkt in elektrische Energie um. Der erzeugte Strom wird sofort verbraucht, in einem Batteriespeicher gespeichert oder ins öffentliche Netz eingespeist. Für Einfamilienhäuser bietet eine Dachanlage meist das beste Verhältnis zwischen Investition und Ertrag.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Hohe Stromerträge über viele Jahre | Höhere Anfangsinvestition |
| Lange Lebensdauer von häufig mehr als 25 Jahren | Ausreichend große Dachfläche erforderlich |
| Deutliche Senkung der Stromkosten | Stromerzeugung abhängig von Wetter und Jahreszeit |
| Kombination mit Wärmepumpe oder Elektroauto möglich | |
| Wertsteigerung der Immobilie |
Photovoltaik mit Stromspeicher
Ein Stromspeicher ergänzt eine Solaranlage um zusätzliche Unabhängigkeit. Überschüssiger Solarstrom wird tagsüber gespeichert und steht abends oder nachts zur Verfügung.
Das erhöht den Eigenverbrauch deutlich. Ohne Speicher nutzen viele Haushalte rund 30 Prozent ihres Solarstroms selbst. Mit Batteriespeicher steigt dieser Wert häufig auf 60 bis 80 Prozent.
Ein Speicher lohnt sich vor allem dann, wenn:
- tagsüber wenig Strom verbraucht wird
- ein Elektroauto geladen werden soll
- eine möglichst hohe Unabhängigkeit gewünscht ist
3. Unterwegs mit mobiler Solarkraft
Bist du gerne mit dem Wohnmobil oder Wohnwagen unterwegs und möchtest dich autark mit Strom versorgen? Dann ist eine mobile Solaranlage ideal*. Damit kannst du deine Elektrogeräte beim Camping betreiben und bist nicht auf den teuren Stromanschluss des Campingplatzes angewiesen.
Auch für Gartenhäuser, die nicht ans örtliche Stromnetz angeschlossen sind, sind diese Anlagen geeignet. Du kannst damit Bewegungsmelder, Solarleuchten und sogar die Bewässerung automatisch mit Strom versorgen.
Die meisten mobilen Solaranlagen sind einfach aufstellbar und können nach Gebrauch platzsparend zusammengeklappt und wieder verstaut werden. Die Leistung variiert je nach Größe der Module.

Was kostet eine Mini-Solaranlage?
Je nach Modulgröße, Wattleistung und verwendeten Batterien fällt der Preis unterschiedlich hoch aus. Es gibt schon sehr preiswerte Mini-Solarmodule ab etwa 40 Euro, größere Anlagen liegen dagegen im vierstelligen Bereich.
Da du in den folgenden Jahren damit aber nicht unerheblich viel Strom einsparen wirst, rechnen sich die Investitionskosten auf lange Sicht auf jeden Fal

Solaranlage installieren: So funktioniert es
Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach sollte von Profis installiert werden. Dachdecker und Elektriker arbeiten dabei Hand in Hand.
Diese Schritte sind dabei wichtig:
- Wenn du deine Immobilie auf Solarenergieversorgung umrüsten willst, solltest du vorab einen Statiker mit der Prüfung der Voraussetzungen beauftragen. Dieser kann feststellen, ob dein Dach für die Anbringung überhaupt geeignet ist.
- Als Nächstes musst du deinen Netzbetreiber kontaktieren und informieren, dass du eine PV-Anlage ans öffentliche Netz anschließen willst, um den überschüssigen Strom einzuspeisen. Das lohnt sich vor allem bei größeren Anlagen, bei denen du den erzeugten Strom nicht alleine verbrauchen kannst. Nach Abklärung mit dem Netzbetreiber ist zudem die Installation eines Stromzählers nötig.
- Du solltest rund ums Haus die Sonneneinstrahlung optimieren. Entferne große Bäume und andere Hindernisse, die das Auftreffen der Sonnenstrahlen auf deiner Solaranlage beeinträchtigen könnten.
- Die Anbringung der Unterkonstruktion auf der Dachfläche ist der nächste Schritt. Die Solar-Module werden dann an dieser Konstruktion befestigt und miteinander verkabelt.
- Anschließend wird alles mit einem Wechselrichter verbunden und ans Hausnetz angeschlossen. Die Ausführung solltest du möglichst einem fachkundigen Elektriker überlassen.
- Nun produziert deine PV-Anlage Strom und du kannst ihn selber nutzen sowie ins Netz einspeisen, was dein Haushalt nicht verbraucht.
Strom selber erzeugen: Gut zu wissen
- Du hast als Mieter einen rechtlichen Anspruch auf Balkonkraftwerk auf deinem Balkon.
- 1 kWp Photovoltaik erzeugt in Deutschland durchschnittlich etwa 1.000 kWh Strom pro Jahr.
- Mit Batteriespeicher sind Eigenverbrauchsquoten von 60 bis 80 % möglich.
- Ohne Speicher liegt der Eigenverbrauch oft bei rund 30 %.
- Balkonkraftwerke dürfen bis 800 Watt Wechselrichterleistung einspeisen.
- Die installierte Modulleistung eines Balkonkraftwerks darf bis 2.000 Watt betragen.
- Die Einspeisevergütung für neue Anlagen bis 10 kWp liegt 2026 bei 7,78 ct/kWh bei Teileinspeisung.
- Selbst genutzter Solarstrom ist deutlich wertvoller als eingespeister Strom. Strompreise liegen oft über 35 Cent/kWh, während die Einspeisevergütung unter 8 Cent/kWh liegt.
Beispielrechnung für einen durchschnittlichen Haushalt
Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht häufig zwischen 3.500 und 5.000 kWh Strom pro Jahr.
Eine Photovoltaikanlage mit 10 kWp Leistung erzeugt unter guten Bedingungen etwa 10.000 kWh jährlich.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Stromverbrauch Haushalt | 4.500 kWh/Jahr |
| Stromerzeugung PV-Anlage | 10.000 kWh/Jahr |
| Direkt genutzter Strom ohne Speicher | ca. 30 % |
| Direkt genutzter Strom mit Speicher | bis zu 80 % |
Die Anlage produziert damit deutlich mehr Strom als der Haushalt selbst benötigt. Überschüssige Energie wird gespeichert oder ins öffentliche Netz eingespeist.
Strom selber erzeugen: Wie autark kannst du werden?
Viele Menschen wünschen sich vollständige Energieunabhängigkeit. In der Praxis bleibt eine hundertprozentige Autarkie jedoch selten wirtschaftlich.
Die erreichbare Eigenversorgung hängt stark von der Anlagengröße und einem vorhandenen Batteriespeicher ab.
| System | Typischer Autarkiegrad |
|---|---|
| Balkonkraftwerk | 5 bis 15 % |
| Photovoltaikanlage ohne Speicher | 20 bis 40 % |
| Photovoltaikanlage mit Speicher | 50 bis 80 % |
| Große Anlage mit Speicher und optimiertem Verbrauch | bis etwa 90 % |
Besonders im Winter sinkt die Stromproduktion deutlich. Deshalb bleiben die meisten Haushalte zumindest teilweise auf das öffentliche Stromnetz angewiesen.
Mit welchen Kosten musst du rechnen?
Die Investitionskosten unterscheiden sich je nach Systemgröße und Ausstattung.
| Lösung | Typische Kosten |
|---|---|
| Balkonkraftwerk | 500 bis 1.200 € |
| Photovoltaikanlage 5 kWp | 8.000 bis 12.000 € |
| Photovoltaikanlage 10 kWp | 12.000 bis 18.000 € |
| Batteriespeicher | 5.000 bis 10.000 € |
| Photovoltaikanlage inklusive Speicher | 18.000 bis 30.000 € |
Regionale Preisunterschiede, Dachbeschaffenheit und individuelle Anforderungen können die tatsächlichen Kosten beeinflussen.
Welche Förderungen gibt es?
Die Förderlandschaft verändert sich regelmäßig. Daher lohnt sich vor jeder Investition eine aktuelle Prüfung der verfügbaren Programme.
Mögliche Förderquellen sind:
- Förderprogramme von Städten und Gemeinden
- regionale Förderbanken
- Landesprogramme
- Zuschüsse für Batteriespeicher
- Förderungen für die Kombination mit Wärmepumpen oder Elektromobilität
Zusätzlich profitieren Betreiber von Photovoltaikanlagen weiterhin von der gesetzlichen Einspeisevergütung für überschüssigen Strom.
FAQ zum Thema Strom selber erzeugen
Kann ich als Mieter Strom selber erzeugen?
Ja. Mit einem Balkonkraftwerk kannst du auch ohne eigenes Haus Strom selber erzeugen. Die Anlage speist den produzierten Strom direkt in deinen Haushalt ein und senkt so die Stromkosten.
Lohnt sich ein Stromspeicher?
Ein Stromspeicher erhöht den Eigenverbrauch deutlich, da überschüssiger Solarstrom für die Abend- und Nachtstunden gespeichert wird. Das steigert die Unabhängigkeit vom Stromnetz und verbessert oft die Wirtschaftlichkeit der Anlage.
Kann ich mit Solarstrom komplett autark werden?
Eine vollständige Autarkie ist möglich, aber für die meisten Haushalte wirtschaftlich nicht sinnvoll. Mit Photovoltaikanlage und Speicher erreichen viele Haushalte einen Autarkiegrad von 60 bis 80 Prozent.
Funktioniert eine Solaranlage auch im Winter?
Ja. Solarmodule erzeugen auch im Winter Strom. Die Erträge fallen jedoch geringer aus, weil die Tage kürzer sind und die Sonneneinstrahlung schwächer ist.
Was ist besser: Balkonkraftwerk oder Photovoltaikanlage?
Für Mieter eignet sich meist ein Balkonkraftwerk. Hausbesitzer erzielen mit einer Photovoltaikanlage deutlich höhere Stromerträge und langfristig größere Einsparungen.
Produzierst du zu Hause schon selber Strom? Teile uns gerne deine Erfahrungen und hinterlasse einen Kommentar.
Quellen für Strom selber erzeugen:
EEG 2023/24: Was heute für Photovoltaik-Anlagen gilt und was geplant ist | Verbraucherzentrale.de. (o. D.). Verbraucherzentrale.de. Abgerufen am 18. April 2024, von https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/erneuerbare-energien/eeg-202324-was-heute-fuer-photovoltaikanlagen-gilt-und-was-geplant-ist-75401
Hochwarth, D. (2024, 15. April). Solarpaket: Neue Regeln für Balkonkraftwerke endlich beschlossen. ingenieur.de – Jobbörse und Nachrichtenportal für Ingenieure. Abgerufen am 18. April 2024, von https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/energie/neue-regeln-fuer-balkonkraftwerke-ab-2024/
