Das Smartphone begleitet uns beim Einkaufen, auf dem Weg zur Arbeit und oft auch beim Essen. Warum es nicht nutzen, um im Alltag nachhaltigere Entscheidungen zu treffen? Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands zeigt: 72 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland nutzen mindestens eine App oder digitale Anwendung mit Nachhaltigkeitsbezug. Welche nachhaltigen Apps wirklich hilfreich sind, zeigt unsere Redaktion.
Welche nachhaltigen Apps helfen im Alltag wirklich?
Eine App bringt vor allem dann etwas, wenn sie an einer Stelle ansetzt, an der im Alltag tatsächlich eine Entscheidung ansteht. Beim Einkauf geht es etwa um Inhaltsstoffe oder die Herkunft eines Produkts, beim Kochen um saisonale Zutaten und bei der Fahrt zur Arbeit um eine klimafreundlichere Alternative zum Auto.
Nachhaltige Apps decken deshalb ganz unterschiedliche Bereiche ab. Einige helfen beim Einkaufen, andere beim Sparen von Lebensmitteln oder bei der Mobilität. Auch Apps für Klimaschutz, Luftqualität und regionale Angebote gehören dazu.
Nachhaltige Apps für bewussteren Konsum
Wer im Laden schnell wissen möchte, was in einem Produkt steckt, hat mit dem Smartphone eine zusätzliche Informationsquelle dabei. Nachhaltige Apps wie CodeCheck oder ToxFox setzen genau dort an, wo die Entscheidung fällt: direkt vor dem Einkaufsregal.
CodeCheck
Ein Barcode-Scan reicht, um Informationen zu einem Produkt abzurufen. CodeCheck bewertet unter anderem Lebensmittel, Kosmetik sowie Produkte aus Haushalt und Babybereich und zeigt Informationen zu Inhaltsstoffen, Allergenen und möglichen Alternativen. Die App ist für iOS und Android verfügbar.
Das ist praktisch, wenn die Zutatenliste schwer verständlich ist oder zwei ähnliche Produkte zur Auswahl stehen. CodeCheck ersetzt allerdings nicht den eigenen Blick auf die Produktangaben. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass die App mit einer großen Datenbank arbeitet und ihre Bewertungen auf festgelegten Kriterien beruhen.
» Hier findest du die Codecheck App
ToxFox
ToxFox verfolgt einen anderen Ansatz. Die App des BUND prüft Kosmetik und weitere Alltagsprodukte auf bestimmte Schadstoffgruppen. Dazu gehören unter anderem hormonell wirksame Stoffe, PFAS, Nanopartikel und Mikroplastik. Je nach Produkt lässt sich der Barcode scannen oder eine sogenannte Giftfrage an den Hersteller stellen.
Für den Einkauf von Kosmetik und Körperpflege ist ToxFox deshalb besonders interessant. Die App zeigt allerdings nicht pauschal, ob ein Produkt „gut“ oder „schlecht“ ist. Sie konzentriert sich auf bestimmte Stoffgruppen und die dazu vorliegenden Informationen.
Unsere Redaktion findet: Solche Apps sind vor allem dann hilfreich, wenn eine konkrete Frage im Raum steht. Wer jedes Produkt vor dem Einkauf minutenlang scannt, macht sich das Leben unnötig schwer.

Nachhaltige Apps gegen Lebensmittelverschwendung
Lebensmittel landen oft im Müll, obwohl sie noch gegessen werden könnten. Genau hier setzen nachhaltige Apps wie „Zu gut für die Tonne!“ und Too Good To Go an. Die beiden Angebote verfolgen allerdings unterschiedliche Ansätze.
Zu gut für die Tonne!
Was lässt sich noch aus gekochten Kartoffeln machen? Wie bleiben Äpfel länger frisch? Und wohin mit dem angebrochenen Joghurt? Die App „Zu gut für die Tonne!“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft liefert Rezepte für übrig gebliebene Lebensmittel und Tipps zur richtigen Lagerung.
Für den Alltag ist das vor allem dann praktisch, wenn Lebensmittel bereits zu Hause liegen und verarbeitet werden sollen. Statt nach einem neuen Rezept mit zehn Zutaten zu suchen, lässt sich gezielt mit dem kochen, was noch im Kühlschrank wartet.
» Zur App „Zu gut für die Tonne!“
Too Good To Go
Too Good To Go setzt früher an: Die App vermittelt überschüssige Lebensmittel von Restaurants, Bäckereien, Cafés und anderen Betrieben an Menschen in der Umgebung. Die angebotenen Portionen werden meist zu einem reduzierten Preis verkauft.
Das Prinzip hat einen Haken: Du weißt häufig erst bei der Abholung, welche Lebensmittel in der Überraschungstüte stecken. Wer Allergien hat oder sehr genau planen muss, findet dieses Modell deshalb nicht immer praktisch.
Für uns ist genau das der Unterschied zwischen den beiden Apps: „Zu gut für die Tonne!“ hilft beim Verwerten vorhandener Lebensmittel, Too Good To Go beim Retten überschüssiger Ware vor dem Wegwerfen.
Nachhaltige Apps für saisonales und regionales Einkaufen
Wer beim Einkauf öfter zu saisonalem Obst und Gemüse greifen möchte, braucht nicht jedes Mal im Internet nachschauen. Nachhaltige Apps mit Saisonkalender zeigen, welche Lebensmittel gerade aus heimischem Anbau erhältlich sind.
Saisonkalender
Der Saisonkalender des Bundeszentrums für Ernährung zeigt, wann Obst und Gemüse in Deutschland Saison haben. Die App hilft damit vor allem beim Einkauf und bei der Planung von Mahlzeiten.
Praktisch ist das besonders bei Lebensmitteln, die ganzjährig im Supermarkt liegen. Tomaten, Erdbeeren oder Spargel stammen im Winter oft nicht aus deutschem Freilandanbau. Ein Blick auf den Saisonkalender zeigt schnell, wann sich die heimische Variante anbietet.
Regional und saisonal sind allerdings nicht dasselbe. Ein Apfel aus der Region ist nicht automatisch die klimafreundlichste Wahl, wenn er monatelang gekühlt wurde. Auch die Art des Anbaus und die Lagerung spielen eine Rolle.
Unsere Redaktion findet: Ein Saisonkalender ist weniger eine Einkaufsvorschrift als eine praktische Orientierung. Wer sich daran hält, entdeckt nebenbei auch Lebensmittel, die gerade wirklich Saison haben.
Klimaschutz-Apps für den eigenen Alltag
Wer den eigenen CO₂-Ausstoß genauer betrachten möchte, findet dafür Klimaschutz-Apps mit unterschiedlichen Ansätzen. Manche berechnen die Emissionen einzelner Lebensbereiche, andere setzen auf konkrete Aktionen und gemeinsame Challenges.
2Zero
Die App 2Zero richtet sich an Menschen, die Klimaschutz nicht nur für sich allein angehen möchten. Sie verbindet Nutzer mit lokalen Klimaschutzaktionen und Challenges. Kommunen, Vereine oder andere Gruppen können solche Aktionen anbieten und gemeinsam mit den Teilnehmenden umsetzen.
Das unterscheidet 2Zero von einem klassischen CO₂-Rechner. Statt nur eine Zahl zum persönlichen Fußabdruck anzuzeigen, geht es um konkrete Aktivitäten im Alltag. Die Verbraucherzentrale hat die App 2025 im Rahmen ihres Tests von Nachhaltigkeits-Apps berücksichtigt.
Für wen das interessant ist? Vor allem für Menschen, die bei Klimaschutz lieber gemeinsam mit anderen aktiv werden. Wer lediglich wissen möchte, wie hoch der eigene CO₂-Fußabdruck ausfällt, findet dafür passendere Apps.
Unsere Meinung: Ein CO₂-Wert allein verändert noch keine Gewohnheit. Interessanter wird eine App dann, wenn aus der Zahl eine konkrete Handlung entsteht.
Nachhaltige Apps für unterwegs
Nicht jede Strecke lässt sich mit Bus oder Fahrrad zurücklegen. Gerade bei längeren Fahrten sitzt oft nur eine Person im Auto. Nachhaltige Apps für Mitfahrgelegenheiten setzen genau dort an und bringen Menschen mit ähnlichen Fahrzielen zusammen.
Mitfahrgelegenheiten per Fahrgemeinschaft-App finden
Wer eine längere Autofahrt plant, kann freie Plätze anbieten oder selbst nach einer Mitfahrgelegenheit suchen. Die gemeinsame Fahrt verteilt den Aufwand auf mehrere Personen und ersetzt im besten Fall mehrere einzelne Autofahrten.
Das lohnt sich vor allem bei Strecken, auf denen Bus und Bahn keine gute Verbindung bieten. Für kurze Wege innerhalb der Stadt ist das Modell dagegen weniger interessant. Dort sind Fahrrad, zu Fuß gehen oder der öffentliche Nahverkehr oft die naheliegendere Wahl.
Für uns ist eine gute Mitfahr-App deshalb kein Ersatz für jede Autofahrt. Sie ist vor allem dann interessant, wenn eine Fahrt ohnehin stattfindet und freie Plätze noch genutzt werden können.
» Hier geht es zur fahrgemeinschaft.de App

Sind nachhaltige Apps wirklich nachhaltig?
Eine nachhaltige App macht nicht automatisch jede Handlung nachhaltiger. Entscheidend ist, was sie im Alltag verändert und auf welchen Informationen ihre Empfehlungen beruhen.
Auch der Datenschutz gehört zur Bewertung. Manche Apps benötigen Zugriffe auf Standort, Nutzungsverhalten oder andere persönliche Daten. Vor der Installation lohnt deshalb ein Blick auf den Anbieter, die Datenschutzerklärung und die benötigten Berechtigungen.
Greenwashing ist ebenfalls ein Thema. Ein grünes Logo oder ein Nachhaltigkeitsversprechen sagt noch wenig darüber aus, welchen Nutzen eine App tatsächlich bringt. Die Verbraucherzentrale hat deshalb verschiedene Nachhaltigkeits-Apps geprüft und dabei auch Transparenz, Datenschutz und den konkreten Mehrwert betrachtet.
Wir sehen das so: Eine gute App muss nicht alles können. Sie sollte eine konkrete Entscheidung im Alltag leichter machen und nachvollziehbare Informationen liefern. Wenn dafür erst viele persönliche Daten freigegeben werden müssen, fällt die Bewertung entsprechend kritischer aus.
Worauf solltest du bei nachhaltigen Apps achten?
Nicht jede nachhaltige App passt zu jedem Alltag. Vor der Installation lohnt ein kurzer Blick auf ein paar Punkte:
- Nutzen: Löst die App ein konkretes Problem oder liefert sie nur allgemeine Tipps?
- Daten: Woher stammen die Informationen und wie aktuell sind sie?
- Datenschutz: Welche Berechtigungen verlangt die App?
- Kosten: Ist sie kostenlos oder gibt es kostenpflichtige Funktionen?
- Plattform: Läuft sie auf Android, iPhone oder beiden Systemen?
- Anbieter: Wer steckt hinter der App und wie wird sie finanziert?
Gerade bei Nachhaltigkeitsversprechen lohnt sich ein kritischer Blick. Eine App muss nicht perfekt sein. Für uns zählt vor allem, ob sie im richtigen Moment eine verlässliche Information liefert oder eine konkrete Entscheidung erleichtert.
FAQ für nachhaltige Apps
Welche nachhaltige Apps sind kostenlos?
Viele nachhaltige Apps lassen sich kostenlos nutzen, zumindest in der Grundversion. Ob zusätzliche Kosten entstehen, hängt vom jeweiligen Anbieter ab. Auch kostenlose Apps sind nicht automatisch frei von Werbung oder Datensammlung. Vor der Installation lohnt deshalb ein Blick auf den Funktionsumfang und die Datenschutzbestimmungen.
Welche nachhaltige Apps gibt es für Android und iPhone?
Viele nachhaltige Apps, manchmal auch grüne Apps genannt, sind sowohl für Android als auch für iPhone erhältlich. Das gilt etwa für Apps rund um Konsum, Lebensmittelrettung oder Klimaschutz. Bei weniger verbreiteten Anwendungen kann die Auswahl kleiner sein. Prüfe deshalb vor dem Download, ob dein Smartphone unterstützt wird.
Welche nachhaltige Apps helfen beim CO₂-Sparen?
Nachhaltige Apps können dabei helfen, den eigenen CO₂-Ausstoß besser einzuschätzen oder klimafreundlichere Entscheidungen zu treffen. Dazu gehören CO₂-Rechner, Mobilitäts-Apps und Anwendungen mit Klimaschutz-Challenges. Die App selbst spart allerdings noch kein CO₂. Entscheidend ist, ob sich daraus eine konkrete Veränderung im Alltag ergibt.
Wie sicher sind nachhaltige Apps beim Datenschutz?
Auch nachhaltige Apps benötigen teilweise persönliche Daten. Dazu können Standortinformationen, Nutzungsdaten oder Angaben zu deinem Haushalt gehören. Prüfe deshalb vor dem Download, welche Berechtigungen verlangt werden und wer die Anwendung betreibt. Eine Nachhaltigkeits-App sollte nicht mehr persönliche Daten sammeln, als ihre Funktionen tatsächlich benötigen.
Woran erkennt man gute nachhaltige Apps?
Gute nachhaltige Apps liefern nachvollziehbare Informationen und haben einen klaren praktischen Nutzen. Interessant sind vor allem transparente Anbieter, aktuelle Daten und verständliche Angaben zur Finanzierung. Auch die Grenzen einer App sollten erkennbar sein. Ein grünes Erscheinungsbild allein reicht für eine gute Bewertung nicht aus.
Welche nachhaltige Apps kannst du empfehlen?
In der App ToogoodtoGo findet man in der Umgebung Restaurants und Bäckereien oder andere Läden, die Lebensmittel und Gerichte verkaufen, die -anstatt diese abends wegzuwerfen – sie ab einer bestimmten Zeit vergünstigt anbieten.