Umwelt- und Nachhaltigkeitslabel gibt es wie Sand am Meer, jedoch unterscheiden sie sich erheblich bei ihren Anforderungen und Kontrollen.
In diesem Ratgeber erfährst du, woran du vertrauenswürdige Labels erkennst und welche 44 Siegel du beim Einkauf kennen solltest.
Warum gibt es überhaupt so viele Nachhaltigkeitssiegel?
Ob Lebensmittel, Kleidung, Kosmetik oder Möbel, jede Branche stellt andere Anforderungen an Nachhaltigkeit. Deshalb existieren heute zahlreiche Siegel mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Einige bewerten den Umweltschutz, andere faire Arbeitsbedingungen, den verantwortungsvollen Umgang mit Rohstoffen oder den Tierschutz.
Hinzu kommt, dass Nachhaltigkeitssiegel von verschiedenen Organisationen vergeben werden. Staatliche Stellen, Umweltverbände, unabhängige Zertifizierungsstellen und Unternehmen verfolgen jeweils eigene Kriterien. Das erschwert den Vergleich und sorgt oft für Verunsicherung beim Einkauf.
Genau deshalb lohnt es sich, die bekanntesten Nachhaltigkeitssiegel und ihre Bedeutung zu kennen.
Auf diese Merkmale solltest du achten:
- Transparente Vergabekriterien, die öffentlich einsehbar sind
- Unabhängige Kontrollen statt reiner Herstellerangaben
- Regelmäßige Audits, damit die Anforderungen dauerhaft eingehalten werden
- Anerkannte Organisationen oder staatliche Stellen als Träger des Siegels
Je mehr dieser Kriterien erfüllt sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Siegel tatsächlich für überprüfbare Nachhaltigkeit steht und nicht nur als Marketinginstrument dient.
Die 44 bekanntesten Siegel für Nachhaltigkeit
Eine Liste mit Siegeln für verschiedenste Branchen von A-Z sortiert.
1. ALLÖKH
- Allergikergerechtes ÖKO-Haus
- Prüfsiegel für allergikergerechtes Bauen
- keine Baustoffe mit (hohem) Schadstoffgehalt
- vom Institut „Umwelt und Gesundheit“ in Fulda vergeben

2. BDIH
- 2001 eingeführt
- Gütesiegel für kontrollierte Naturkosmetik
- auch für Nahrungsergänzungsmittel, diätetische Lebensmittel, frei verkäufliche Arzneimittel & Medizinprodukte
- Verzicht auf synthetische Stoffe
- Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau

3. Bioland
- Siegel für ökologisch produzierte Bio-Produkte
- strenge Kriterien
- 100% aus ökologischem Anbau
- Gentechnik verboten
- viel Platz für die Tiere
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4. Biopark
- 1991 in Mecklenburg-Vorpommern gegründet
- Siegel für zertifizierten, ökologischen Landbau
- viel Auslauf und Weidegang für Tiere
- umweltschonende Verarbeitung ohne schädliche Stoffe
- soziale Gerechtigkeit
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5. BIO-Siegel nach EG-Öko-Verordnung
- staatliches Bio-Siegel seit 2001
- kennzeichnet viele Bioartikel in Supermarktketten
- Vorgaben der EU-Öko-Verordnung
- weniger strenge Richtlinien
- preisgünstig

6. Der Blaue Engel
- seit 1978
- kennzeichnet emissionsarme Polstermöbel, schadstoffgeprüfte Matratzen und Produkte aus Holz
- mehr als 12.000 Produkte
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7. Bluesign
- vergeben von der bluesign technologies AG
- Ziel: umweltfreundliche Textilindustrie
- Verzicht auf umweltbelastende Substanzen

8. Demeter
- hohe Standards und strenge Kriterien
- erhältlich in Biosupermärkten, Reformhäusern & Drogerien
- preislich eher im höheren Segment
- Hörner von Kühen und Schnäbel von Geflügeln dürfen in der Demeter-Tierhaltung nicht gekürzt werden
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9. B Corp
- internationale Unternehmenszertifizierung, seit 2006
- vergeben von der Non-Profit-Organisation B Lab
- bewertet Unternehmen anhand von Umwelt, sozialer Verantwortung, Transparenz und Unternehmensführung
- zertifiziert nicht einzelne Produkte, sondern das gesamte Unternehmen
- bekannte B-Corp-Unternehmen sind unter anderem Patagonia, Veja und The Body Shop

10. Ecogarantie
- seit 2005
- Siegel des Mitgliedverbandes für ökologischen Landbau in Belgien
- meist auf Wasch- und Reinigungsprodukten aus ökologischer Herstellung zu finden
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11. EU Ecolabel
- 1992 eingeführt
- EU-Umweltzeichen
- für eine umweltverträgliche Produktion
- kennzeichnet circa 70.000 Produkte und Dienstleistungen
- auch von Norwegen, Liechtenstein und Island anerkannt

12. Ecoland
- Verband für ökologische Land- und Ernährungswirtschaft
- viel Platz für Tiere beim Transport
- Transportwege maximal 200 Kilometer
- sparsamer Umgang mit Rohstoffen
- Markenzeichen ECO-FAIR

13. Ecovin
- Gründung 1985
- Verband ökologisch arbeitender Weingüter
- für eine umweltschonende und ökologische Produktion von Weintrauben, Säften und Essig
- Verzicht auf Kunstdünger und andere unnatürliche Substanzen
- Gentechnik verboten

14. Fair Stone
- seit 2007
- Standard, der Natursteine aus Entwicklungs- und Schwellenländern auszeichnet
- Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards

15. Fairtrade
- 1992 gegründet
- legt Richtlinien für fairen Handel weltweit fest
- Produkte aus sozialer Landwirtschaft und Beschaffungskette
- faire Preise, faire Arbeitsbedingungen
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16. Fair Wear Foundation
- 1999 gegründet
- internationale Organisation für faire Kleidung
- für faire Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie
- organisiert von Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Wirtschaftsverbänden
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17. Followfish
- 2007 gegründet
- für nachhaltige Fischprodukte
- viele Produkte haben zusätzlich noch eine Bio- oder Naturland-Zertifizierung
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18. FSC-Siegel
- 1993 gegründet
- Forest Stewardship Council
- Holz und Holzprodukte aus nachhaltiger Forstwirtschaft
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19. Gäa
- Bio-Verband
- ökologisch hergestellte Rohstoffe und Lebensmittel
- höchste Bio-Standards
- ganzheitlich, nachhaltig und sozial

20. GoodWeave
- internationales Siegel für Teppichindustrie
- kennzeichnet Produkte ohne Kinderarbeit
- Ziel: Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Einhaltung von Umweltstandards
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21. GOTS
- Global Organic Textile Standard (GOTS)
- Siegel für nachhaltige Textilien
- biologisch erzeugte Naturfasern
- Einhaltung sozialer Kriterien
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22. Grüner Knopf
- 2019 eingeführt
- Deutsches Siegel für nachhaltige Textilien
- Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

23. Grüner Strom & Grünes Gas
- Siegel von Grüner Strom Label e.V.
- 1998 gegründet
- Strom aus erneuerbaren Energien
- vergibt auch das Label „Grünes Gas“ für die nachhaltige Erzeugung von Biogas (aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen)
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24. Hand-in-Hand
- Siegel der Biomarke Rapunzel
- kennzeichnet Produkte , die nach sozialen und ökologischen Kriterien produziert wurden

25. IHTN
- internationaler Herstellerverband für Tierschutz
- geprüfte Naturkosmetik, Kosmetik und Naturwaren
- 1979 gegründet
- kennzeichnet Produkte, die nach Richtlinien des deutschen Tierschutzbundes hergestellt wurden

26. IVN
- gegründet 1989
- internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft
- Textil- oder Lederprodukte ökologisch und sozialverträglich hergestellt sowie frei von Schadstoffen
- 3 Label – Naturtextil, Naturleder, Global Organic Textil Standard (GOTS)

27. Leaping Bunny
- Siegel, das Produkte eindeutig als „tierversuchsfrei hergestellt“ kennzeichnet
- seit 1996
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28. MSC
- 1997 gegründet
- gemeinnützige Organisation
- setzt auf Nachhaltigkeit im Fischfang
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29. NATRUE
- The International Natural and Organic Cosmetics Association
- 2008 gegründet
- internationaler Verband
- Ziel: Förderung natürlicher Hautpflege
- Kennzeichnet „echte“ Natur- und Biokosmetik-Produkte
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30. Naturland
- Siegel für umweltschonend produzierte Holzprodukte
- strenge Kriterien
- 100 % ökologische Herstellung
- Einhaltung sozialer Kriterien

31. Natureplus
- kennzeichnet umweltfreundlich produzierte Bodenbeläge, Holz und Holzwerkstoffe
- auch für Putze, Wandfarben, Lacke und Lasuren sowie Baustoffe
- ein Tipp für alle, die nachhaltig bauen wollen
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32. ICADA
- natürliche Kosmetikprodukte
- vegan
- ohne Mikroplastik
» certified-natural-cosmetics.org

33. NCS
- Natural Cosmetics Standard
- Naturkosmetik aus natürlichen Ursprungsmaterialien
- strenge Kriterien
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34. Cradle to Cradle Certified® (C2C)
- bekanntes internationales Nachhaltigkeitszertifikat
- Bewertet den gesamten Produktlebenszyklus
- Kriterien:
- Materialgesundheit
- Kreislauffähigkeit
- Klimaschutz
- Wasser
- soziale Fairness
- Kommt bei Möbeln, Textilien, Baustoffen, Kosmetik und Verpackungen immer häufiger vor

35. ÖkoControl
- Verband ökologischer Einrichtungshäuser
- kennzeichnet Nachhaltigkeit von Möbeln und Matratzen
- Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft
- Fasern frei von Pestiziden und anderen schädlichen Stoffen

36. ok-power
- 2000 gegründet
- Qualitätssiegel für Ökostrom
- Gewinnung von Strom aus erneuerbaren Energien

37. 100 by OEKO-TEX:
- Textilsiegel
- 1992 gegründet
- weltweit einheitliches, unabhängiges Prüf- und Zertifizierungssystem
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38. PEFC-Siegel
- Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes
- kennzeichnet Holzprodukte aus nachhaltiger Waldwirtschaft
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39. Rainforest Alliance
- 1987 gegründet
- kennzeichnet weltweit landwirtschaftliche Produkte aus umweltfreundlichen und sozialen Betrieben
- fragwürdig, da zum Teil sehr einfache Kriterien für die Siegelvergabe

40. TourCert-Siegel
- seit 2009
- Ziel: nachhaltige, soziale Tourismusbranche
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41. UTZ CERTIFIED:
- Stiftung seit 2002
- weltweiter Zertifizierer für Kaffee, Tee und Kakao
- landwirtschaftliche Produkte aus nachhaltigem Anbau
- teilweise lasche Kriterien
- UTZ Zertifizierung (jetzt Teil der Rainforest Alliance)
42. Vegansociety
- 1944 gegründet
- Organisation The Vegan Society
- kennzeichnet vegane Produkte
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43. Viabono
- Auszeichnung für Touristikunternehmen für umwelt- und klimafreundliche Reisen
- hohe Standards
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44. V-Label
- kennzeichnet tierfreie Produkte
- seit 1996
- gegründet von der Europäischen Vegetarier Union
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Greenwashing: Ein grünes Logo reicht nicht aus
Viele Verbraucher verlassen sich beim Einkauf auf ein Siegel. Das ist verständlich, schließlich soll es Orientierung bieten. Das Problem: Nicht jedes grüne Logo steht automatisch für hohe Umwelt- oder Sozialstandards.
Manche Unternehmen entwickeln eigene Kennzeichnungen, die zwar offiziell wirken, deren Kriterien aber niemand unabhängig überprüft. Andere werben mit Begriffen wie „nachhaltig“, „natürlich“ oder „klimaneutral“, ohne genau zu erklären, was dahintersteckt.
Deshalb lohnt sich ein zweiter Blick. Wer vergibt das Siegel? Sind die Kriterien öffentlich einsehbar? Finden regelmäßige Kontrollen statt? Je transparenter ein Zertifizierungssystem arbeitet, desto größer ist seine Aussagekraft.
Die EU geht inzwischen ebenfalls gegen irreführende Umweltwerbung vor. Künftig dürfen Nachhaltigkeitsaussagen deutlich weniger Spielraum für Interpretationen lassen. Das macht den Einkauf zwar nicht automatisch einfacher, erhöht aber den Druck auf Unternehmen, ihre Versprechen auch belegen zu können.
Welches Nachhaltigkeitssiegel ist für welche Produkte wichtig?
Nicht jedes Siegel passt zu jedem Produkt. Ein kurzer Überblick hilft bei der Orientierung.
| Produkt | Empfehlenswerte Nachhaltigkeitssiegel |
|---|---|
| Lebensmittel | Demeter, Bioland, Naturland, EU-Bio-Siegel, Fairtrade |
| Textilien | GOTS, Grüner Knopf, Fair Wear Foundation, OEKO-TEX, IVN |
| Holz und Papier | FSC, PEFC, Blauer Engel |
| Fisch und Meeresfrüchte | MSC, Naturland |
| Naturkosmetik | NATRUE, BDIH, ICADA, NCS |
| Wasch- und Reinigungsmittel | EU Ecolabel, Ecogarantie, Blauer Engel |
| Ökostrom | Grüner Strom Label, ok-power |
| Tourismus | TourCert, Viabono |
FAQ für Nachhaltigkeitssiegel
Welches Nachhaltigkeitssiegel ist das beste?
Ein einzelnes Siegel ist nicht automatisch besser als alle anderen. Für Lebensmittel gelten Demeter, Bioland und Naturland als besonders anspruchsvoll. Bei Textilien genießen GOTS und der Grüne Knopf einen guten Ruf, während FSC und PEFC Orientierung beim Kauf von Holzprodukten bieten.
Kann man Nachhaltigkeitssiegel vertrauen?
Viele etablierte Siegel arbeiten mit transparenten Kriterien und unabhängigen Kontrollen. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick. Nicht jedes Logo auf einer Verpackung stammt von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle. Unternehmen können auch eigene Kennzeichnungen entwickeln, die deutlich weniger aussagekräftig sind.
Ist ein Produkt mit Nachhaltigkeitssiegel automatisch umweltfreundlich?
Leider nein. Ein Siegel zeigt lediglich, dass ein Produkt festgelegte Anforderungen erfüllt. Das macht es nicht automatisch perfekt. Herstellung, Transport, Verpackung und dein eigenes Konsumverhalten beeinflussen die Umweltbilanz ebenfalls. Ein Nachhaltigkeitssiegel ist deshalb eine gute Orientierung, aber kein Freifahrtschein.
Woran erkenne ich Greenwashing?
Ein schickes grünes Logo oder Begriffe wie „natürlich“ und „umweltfreundlich“ reichen noch lange nicht aus. Frag dich lieber: Wer vergibt das Siegel? Sind die Kriterien öffentlich einsehbar? Gibt es unabhängige Kontrollen? Kannst du diese Fragen nicht beantworten, ist Skepsis meist die bessere Wahl.
Worauf achtest du beim Kauf und welche Nachhaltigkeitssiegel landen am häufigsten in deinem Einkaufskorb?
